06.02.2009 RSS Feed

EU: Produktions(kosten)vergleiche bitte kritisch hinterfragen!

Wer Ergebnisse europäischer Produktionskosten- oder biologische Leistungsvergleiche zitiert, muss sich die Frage gefallen lassen, ob bei den Vergleichen einheitliche Merkmalsdefinitionen verwendet und die recht unterschiedlichen Produktionsstrukturen berücksichtigt wurden. Von den in Deutschland gemeinsam auswertenden Erzeugerringen wird dies angezweifelt. Strukturell hinkt Deutschland mit seinen rel. kleinen Betriebsgrößen weit hinter europäischen Mitbewerbern wie den Niederlanden, Dänemark und Irland hinterher. Auch ist bekannt, dass in Deutschland eine Sau ab dem ersten Belegen als Sau zählt, während in Frankreich eine Sau erst geferkelt haben muss. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Produktionskosten in der Ferkelerzeugung.

Deutschland gehört lt. europäischem Produktionskostenvergleich mit 23,49 abgesetzten Ferkeln je Sau und Jahr in das letzte Drittel des Ländervergleichs. Auch wenn man sich dieses Merkmal innerhalb de unterschiedlichen Bestandsgrößen anschaut, schneidet Deutschland nicht viel besser ab. Erst eine Sortierung nach den 10 Prozent besten Betrieben hebt Deutschland in das erste Drittel des Ländervergleichs.

Aber: was sagt dieses Merkmal eigentlich aus? Rein rechnerisch ergibt sich das Merkmal aus Anzahl geborener Ferkel abzüglich Verluste. Stehen die Ferkel mit hohen biologischen Leistungen damit ökonomisch auch besser da?
Wohl kaum, denn eine Vielzahl an Kostenfaktoren ist ausschlaggebend für das ökonomische Ergebnis.

Daten der Erzeugerringe 2007/2008

Anzahl Betriebe Betriebsgröße
Sauen / Betrieb
abgesetzte Ferkel / Sau je Jahr Direktkostenfreie
Leistung, € / Sau
1.097 167 23,49 134
197 201 - 300 23,91 164
60 301 - 400 24,38 176
27 401 - 500 24,09 225
7 501 - 600 23,54 192
Deutlich wird dies dann, wenn man die Betriebe nach unterschiedlichen Merkmalen innerhalb der Erzeugerringdatenbank sortiert.

Obwohl zwei zusätzliche Ferkel abgesetzt wurden liegen die Direktkostenfreien Leistungen (DKfL) fast 130 € niedriger als bei den Top-10-Betrieben nach DKfL. Der Schlüssel liegt hier in einem besseren Futtermanagement, das sich in Zeiten extremer Futterkosten auszahlt. Außerdem verkaufen diese Betriebe schwerere Ferkel zu höheren Preisen. Ins Auge fällt außerdem die etwas längere Nutzungsdauer der Sauen.



Ergebnisse in der Ferkelerzeugung 2007/2008 (Mittel der Erzeugerringdatenbank im Vergleich zu den 10 % besten Betrieben, sortiert nach Anzahl abges. sowie nach Direktkostenfreier Leistung je Sau und Jahr)


10 % Beste, sortiert nach
Ferkelerzeugung Mittel abgesetzte Ferkel DKfL
Betriebe 1.101 275 275
Sauen je Betrieb 167 230 221
leb. Geb. Ferkel / Wurf 11,9 12,9 12,3
Würfe / Sau / jahr 2,29 2,4 2,36
abgesetzte Ferkel je Sau und Jahr 23,1 26,9 25
Saugferkel-Verluste, % 14,8 13,3 13,7
Ferkelerlös je kg, € 1,6 1,66 1,71
Ferkelgewicht bei Verkauf, kg 30,4 30,1 30,6
Sauenfutter je Sau, € 329,4 341,25 305
Sauenfutter je Sau, dt 12,2 12,5 11,7
Direkte Kosten je Sau, € 1024 1109 966,49
Direktkostenfreie Leistung je Sau, € 137 262,46 394,31
Remont. In % 43,6 40,1 39,3

Hohe biologischen Leistungen sind somit kein Garant für gute ökonomische Ergebnisse!


In der Schweinemast sieht es nicht anders aus, wobei die Unterschiede in den Direktkostenfreien Leistungen gravierender sind. Die täglichen Zunahmen alleine sind kein Kriterium für den wirtschaftlichen Erfolg oder für den Wechsel der Genetik. Weitere Faktoren müssen einbezogen werden.

Trotz der fast 110 Gramm höheren täglichen Zunahmen sowie einer besseren Futterverwertung und weniger Ausfällen erzielen die10 % besten nach „täglichen Zunahmen“ sortierten Betriebe rd.16 Euro geringere Direktkostenfreie Leistungen.

Die Gründe: höhere Futter- und Ferkelkosten sowie ein geringerer Verkaufserlös.


Ergebnisse in der Schweinemast 2007/2008

(Mittel der Erzeugerringdatenbank im Vergleich zu den 10 % besten Betrieben, sortiert nach täglichen Zunahmen und Direktkostenfreien Leistung je 100 kg Zuwachs)


10 % Beste, sortiert nach
Schweinemast Mittel DKfL/100 kg Zuwachs TZ
Betriebe 2.571 257 257
Anzahl verk. Mastschweine 2282 2379 2497
Verkaufserlös, €/kg Lebendgewicht 1,19 1,25 1,18
Mastbeginn, kg 30,4 32 30,4
Mastende, kg 119,1 119,8 119,3
tägliche Zunahme, g 731 736 845
Futteraufwand / kg Zuwachs, kg 1: 2,94 2,89 2,81
Verluste, % 3,4 3,2 2,7
Futterkosten, €/kg Zuwachs 0,77 0,67 0,74
Ferkelkosten, € / kg 1,65 1,59 1,67
Direktkostenfreie Leistung, €/100 kg Zuwachs 22,66 39,78 23,64

Die Erzeugerringauswertungen über die letzten fünf Jahre zeigen, dass mit höheren biologischen Leistungen sowohl der Aufwand für die Tiergesundheit als auch für Wasser und Energie steigt. Eine Verbesserung des Tiergesundheitsmanagements und eine Optimierung der Energieeffizienz sind also Ansatzpunkte für die Erhöhung der Rentabilität.


Fazit

Vergleiche auf der Basis eines Merkmals sagen zunächst nichts über das ökonomische Leistungsniveau eines Betriebes aus. Betriebsleiter, die glauben, über vermeintliche bessere Tiergenetik auch einen wirtschaftlich besseren Erfolg erzielen zu können, irren sich, wenn das Betriebsmanagement nicht stimmt.
Und: mit welchem Aufwand werden höhere biologische Leistungen erkauft?

Antworten hierauf geben die Erzeugerringberater.


Erzeugerringdatenbank

Durch eine gemeinsame Erzeugerringdatenbank, die seit zwei Jahren auch Online zur Verfügung steht, werden neue Wege bei der Auswertung und Darstellung von Kontrolldaten aus den Erzeugerringen beschritten.

 

Dem ZDS ist kein europäisches Pendant bekannt. Als attraktives Medium wird die Datenbank die Standardisierung bei der Datenerfassung und Auswertung vorantreiben. Wünschenswert wäre eine Ausdehnung auf europäischer Ebene, um nicht mehr Äpfel mit Birnen vergleichen zu müssen.


Erzeugerringdatenbank


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